Sorgen um die Zukunft mit besonderem Kind – wie du mit deinen Ängsten umgehen kannst

Was, wenn mein Kind nie selbstständig wird? Was, wenn es nie Freundschaften findet, eine glückliche Beziehung lebt – und eines Tages allein ist, wenn ich nicht mehr da bin?

Diese Fragen kommen manchmal langsam schleichend, manchmal ganz überraschend in die vielen Herzen von Eltern besonderer Kinder. Kinder mit Behinderung und / oder Kinder mit Neurodivergenz. Sie kommen beim Elternabend, im Wartezimmer, auf dem Spielplatz, im Kindergarten oder abends im Bett. Sie sind da und das ist okay. Wichtig ist nur, dass wir sie nicht in uns hineinfressen sondern offen darüber sprechen und so erfahren: oh, es geht vielen anderen auch so. Und: indem wir uns unseren Sorgen und Ängsten stellen, lernen wir dazu und finden so hoffentlich ganz viel Optimismus, denn es gibt absolut Grund dazu.

In diesem Artikel möchte ich dich mitnehmen in meine Gedanken, meine Ängste und in meine Erfahrung damit, wie du mit diesen Sorgen anders umgehen kannst. Liebevoller. Hoffnungsvoller. Realistischer.

Zukunftsängste sind real – und du bist nicht allein

Der Moment, in dem mir klar wurde, dass unser Sohn keine Freunde hat war auf den ersten Blick ganz unspektakulär. :Ich stand im Kindergarten, fand ein Freundealbum im Fach meines Kindes und stellte dann fest: ups, das war eine Verwechslung. Das Album sollte eigentlich im Fach daneben landen. – Und wurde mir bewusst, dass noch nie jemand ein Freundschaftsalbum ins Fach meines Sohnes gelegt hat. Und noch ein weiterer Gedanke kam schlagartig in mein Bewusstsein: Mein Sohn wurde auch noch auf keinen einzigen Kindergeburtstag eingeladen. Generell wurde er noch nie zu einem anderen Kind nach Hause zum Spielen eingeladen. Ich sah mich um, inmitten all diesen Abhol-Trubels. Plötzlich fielen mir die Freundschaften unter den anderen Kindern auf, ihre Vertrautheit, die Eltern, die sich kurz noch die Uhrzeit für das Playdate später am Nachmittag zuriefen. Und mir kamen die Tränen. Wird mein Sohn jemals Freunde haben? Wird er überhaupt jemals eine Beziehung führen? Können? Wollen?

Heute weiß ich, wie vielen Eltern von besonderen Kindern es genauso geht wie mir. Und wie viele Sorgen wir uns um die Zukunft unserer Kinder machen.

➡ Laut Studien machen sich bis zu 80 % der Eltern autistischer Kinder erhebliche Sorgen um deren langfristige Zukunft.
➡ 59 % sorgen sich konkret um Themen wie Wohnen, Arbeit und soziale Isolation im Erwachsenenalter.

Was macht diese Sorgen so schwer?

  • Gesellschaftliche Erwartungen: beispielsweise „Mit 18 ausziehen.“ – Welche Alternativen gibt es überhaupt? Wird mein Kind ausgegrenzt? Wie wird es in diese Gesellschaft eingegliedert werden?
  • Ständiger Förderdruck – als müssten wir die Zukunft erzwingen und schon heute eine Antwort parat haben, was in 15 Jahre sein wird.
  • Angst vor institutionellen Lücken, vor Überforderung, vor Ablehnung und Einsamkeit.
  • Und ganz groß: Angst, nie wieder die eigene Autonomie zu erleben.

Was hilft, wenn dich Zukunftsfragen nachts wach halten?

1. Akzeptieren, dass die Fragen da sind – ohne gleich Antworten finden zu müssen

Sie dürfen da sein. Deine Sorgen zeigen, wie sehr du dein Kind liebst.

2. Heute ist heute – und morgen kennt niemand

Ich muss nicht jetzt schon wissen, wie alles wird. Ich darf meinem Kind vertrauen – und dem Leben. Denke daran, was dein Kind schon alles gemeistert hat. Welche Entwicklungen schon passiert sind, die du vor einiger Zeit vielleicht nie für möglich gehalten hättest. Und vertraue auch in den medizinischen Fortschritt, unsere Gesellschaft und die Technik: ich glaube, all diese Dinge sind auf unserer Seite. Überlege einmal, wie es Kindern mit Autismus, ADHS oder einem schwerwiegenden Gendeffekt früher erging, zum Beispiel vor 30 Jahren oder vor 60. Was hat sich inzwischen schon alles verbessert? Wie rasant hat sich die Medizin, Therapiemöglichkeiten und besonders technische Unterstützung entwickelt? Und wenn das alles exponentiell vorangeht, was wird in 10 Jahren für unsere Kinder möglich sein?

3. Die richtige Frage stellen

Nicht: Wird mein Kind Freunde haben?
Sondern: Wird mein Kind sich einsam fühlen? Oder: Wann wird mein Kind freunde haben? Welche Form von Freundschaft wird mein Kind führen? Wie zufrieden wird es mit seinem Leben sein? Und wie kann ich es unterstützen? 

Viele autistische Erwachsene führen ein gutes Leben – nur eben anders

Mir hat es enorm geholfen, in das Leben anderer erwachsenen Menschen mit Besonderheiten einzutauchen. Über Instagram geht das ganz einfach. Ich habe plötzlich ein so breites und so mutmachendes Spektrum an tollen Lebensentwürfen gesehen. Ich folge diesen Menschen und habe teil an ihrem Alltag. Dadurch merkte ich: Wow, so viele Menschen mit Neurodivergenz führen ein wirklich erfülltes, erfolgreiches Leben und ihre Kindheit war absolut kein Zuckerschlecken nach Schema F.

Laut einer britischen Langzeitstudie (Howlin et al., 2004) leben rund 22 % der untersuchten autistischen Erwachsenen unabhängig – weitere 46 % mit Teilunterstützung.

Beziehungen, Familienleben, Alltag – all das gibt es. Manchmal später. Ruhiger. Anders. Aber es gibt sie.

Was du tun kannst: Stärken, statt formen

Es geht nicht darum, dein Kind in eine Norm zu pressen.
Es geht darum, es zu stärken. Ihm eine innere Stimme mitzugeben, die sagt:
“Ich bin gut, so wie ich bin. Ich finde meinen Weg.”

Am Ende bleibt Vertrauen

Wenn du dich jetzt beim Lesen ertappt fühlst – mit Tränen in den Augen oder einem Kloß im Hals:

Hey, das ist okay. Wir sind auch nur Menschen und wir stemmen enorm viel. Ich seh dich. Ich war da. Ich bin da. Und rund um meinen “Hi, Baby!” Podcast gibt es inzwischen eine super schöne, wertschätzende Community, die sich um Beispiel in einer Whatsapp Community über alle Ängste, Sorgen, Glücksmomente und Fragen austauscht – sie ist kostenfrei und für alle zugänglich.

Unsere Kinder finden ihren Weg.
Vielleicht nicht auf der Autobahn, wo die allermeisten unterwegs sind. Aber über Seitenwege, Umwege, Schleichwege.
Und manchmal sind genau das die schönsten Wege, oder?

Du willst mehr hören?

Dann hör in die zugehörige Podcastfolge rein. Da wird das Thema tiefgründig und umfassender beleuchtet. Ich erzähle aus meinem Alltag, meinen Sorgen und Gedanken und auch die “Hi, Baby!”-Community kommt zu Wort und du hörst, was andere Mamas momentan Sorgen bereitet in Hinblick auf die Zukunft unserer so besonderen Kinder.
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